DSV unterstützt IOC-Flüchtlingsteam: Yusra Mardini und Alaa Maso starten in Berlin

14.04.2021, 18:50Uhr

Die DSV Olympiaqualifikation Beckenschwimmen in Berlin (16. – 18. April) bietet nicht nur den besten Deutschen eine Wettkampf-und Qualifikationschance für die Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli – 08. August). Auch den syrischen Athlet*innen Yusra Mardini und Alaa Maso gibt der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) am kommenden Wochenende die Möglichkeit, sich in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) zu messen. „Als uns der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) über diese Anfrage informierte, gab es für uns kein Zögern. Da diese Athlet*innen sich ja nicht in ihrer Heimat auf Olympia vorbereiten oder dort starten können, integrieren wir sie natürlich sehr gern bei unserem Wettkampf“, erklärte Bundestrainer Hannes Vitense.

Als Stipendiat*innen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und damit auch Kandidat*innen auf das IOC Refugee Olympic Team (EOR) müssen Yusra Mardini und Alaa Maso im Gegensatz zu den deutschen Athlet*innen nicht die DSV-Olympianormen erfüllen. Das IOC nominiert seine Sportler*innen individuell und lädt sie auch diesmal wieder ein in das Flüchtlingsteam, welches erstmals 2016 in Rio de Janeiro (BRA) dabei sein durfte.

„Das Team ist ein Zeichen an die internationale Gemeinschaft, dass Geflüchtete unsere Mitmenschen sind und eine Bereicherung für die Gesellschaft darstellen. Ich freue mich natürlich sehr über dieses Zeichen der Solidarität und die Unterstützung aus Deutschland“, so IOC-Präsident Thomas Bach.

Zu den Voraussetzungen für eine Aufnahme in das Team zählt sowohl ein vom Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) anerkannter Flüchtlingsstatus als auch eine sportliche Mindestleistung. Die IOC-Exekutive wird im Juni entscheiden, welche der insgesamt 55 Stipendiat*innen ab dem 23. Juli in Tokio am Start sein werden.

Yusra Mardini hofft auf eine zweite Teilnahme im Refugee Olympic Team

Wie ihre Chancen auf einen erneuten Platz im Refugee Olympic Team sind, kann Mardini, die in Rio unter viel Zuspruch die Rennen über 100m Freistil und 100m Schmetterling bestritt, zum aktuellen Zeitpunkt nicht einschätzen. „Ich gebe zu jeder Zeit mein Bestes und tue, was ich kann. Da ich keine bestimmte Qualifikationszeit habe, setze ich mir selbst konkrete Ziele wie ‚Im nächsten Wettkampf schwimme ich eine Sekunde schneller‘. Es motiviert mich dabei aber, in Hamburg mit einigen der besten Schwimmer*innen Deutschlands zu trainieren“. Zuletzt reiste sie mit den Trainingspartner*innen vom Bundesstützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein, darunter Julia Mrozinski und Hannah Küchler, nach Eindhoven (NED) zum Qualification Meet (09. – 11. April), wo sie in 1:05,91 Minuten einen neuen persönlichen Rekord über 100m Schmetterling aufstellte.

Das Ziel ist eine neue Freistil-Bestzeit

„In Berlin ist es mein Ziel, die 100m Freistil unter einer Minute zu schwimmen“, verriet Mardini. „Das wäre dann vier Sekunden schneller als vor fünf Jahren in Rio (1:04,66).“ An die Atmosphäre in der brasilianischen Hauptstadt kann sie sich noch genau erinnern – dass es in diesem Jahr anders werden wird, ist der 23-Jährigen aber auch bewusst.

„Es ist sehr traurig, dass keine ausländischen Zuschauer*innen zugelassen sind. Aber es wäre noch trauriger, wenn keine Olympischen Spiele stattfinden würden. Zum Glück leben wir in einer Zeit, in der man alles streamen und von zu Hause ansehen kann.“

Während Yusra Mardini in Rio weltweit bekannt wurde und nun bereits ihre zweite Olympiateilnahme anpeilt, wäre es für den in Hannover trainierenden Alaa Maso das erste Mal. Der syrische Schwimmer trainiert unter Trainer Emil Guliyev am Bundesstützpunkt Niedersachsen und startet ebenfalls auf seinen Paradedisziplinen Schmetterling und Freistil. Neben Mardini und Maso halten aktuell der in Neuseeland lebende Syrer Eyad Masoud sowie Rami Anis in der Türkei (ebenfalls aus Syrien) ein Schwimm-Stipendium des IOC.