„Wie auf heißen Kohlen“ – Wellbrock startet Olympia mit deutschem Rekord

27.07.2021, 15:21Uhr

© picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Drei Tage lang konnte Florian Wellbrock nur zuschauen bei diesen Olympischen Spielen in Tokio. Bei seinem ersten Vorlauf im Tokyo Aquatics Centre setzte der Doppelweltmeister am Dienstag nun aber gleich ein großes Ausrufezeichen und zeigte damit allen, dass er in absoluter Topform ist. Mit 7:41,77 Minuten verbesserte der 23-Jährige vom SC Magdeburg seinen deutschen Rekord über 800m Freistil, die erstmals zum Olympiaprogramm gehören, um rund 1,3 Sekunden. Schneller war nur Europameister Mykhailo Romanchuk (UKR) in 7:41,28 Minuten. Wellbrocks Dauerrivale Gregorio Paltrinieri (ITA) hangelte sich gerade noch so als Achter (7:47,73) ins Finale am Donnerstag (ab 03:30 Uhr MESZ).

„Ich wollte relativ souverän ins Finale schwimmen und im Finale noch eine gute Bahn haben. Man hat schon gesehen, dadurch dass die Vorläufe immer am Abend sind, wird es tendenziell immer ein bisschen schneller. Und der eine oder andere hat sich schon ein bisschen verpokert und ist rausgeflogen. Deswegen wollte ich jetzt einfach mal Gas geben und das hat mit Romanchuk ganz gut geklappt“, sagte Wellbrock.

„Was zur frühen Zeit am Morgen möglich ist, muss man abwarten.“

Bei der erfolgreichen WM 2019 in Gwangju (KOR) waren ihm die 800m zwischen seinen beiden Goldrennen nicht gelungen, diesmal läuft es auf seiner kürzesten Strecke ganz anders. Ob es noch schneller geht, wollte Wellbrock aber nicht sagen: „Ich habe wahnsinnig lange auf diese Wettkämpfe gewartet, die anderen durften alle schon ran und ich saß hier nur auf heißen Kohlen. Deswegen war es jetzt der erste Start zum Reinkommen. Und ich denke, wenn ich mir das Rennen gleich anschaue und weiß, wie ich mir das eingeteilt habe, dann kann man das vielleicht nochmal ein bisschen optimieren. Aber was dann zur frühen Zeit am Morgen möglich ist, muss man abwarten.“

Finale von Köhler nur über den Livestream

Auf den längeren Strecken sieht das Programm einen Tag Pause zu Regeneration vor. Wellbrock will trainieren, viel trinken und essen. Das 1500m-Freistil-Finale seiner Verlobten Sarah Köhler wird er am Mittwoch aber wohl aufgrund der späten Zeit nur am Bildschirm verfolgen. „Dann werde ich vermutlich nicht in der Halle sein, so leid mir das tut. Aber da hat mein Rennen nun mal Priorität. Da muss der Partner verzichten beziehungsweise die Partnerin. Ich weiß auch nicht, ob sie heute da war. Sie muss da ihr Ding machen, sie muss sich optimal vorbereiten. Und ob sie mein Rennen im Livestream schaut oder live, ist ihr überlassen.“

Ein äußerst ungewöhnliches Olympiarennen erlebte seine Vereinskollegin Franziska Hentke über 200m Schmetterling. Da ursprünglich nur 17 Frauen für diese schwierige Disziplin gemeldet waren und Katinka Hosszu (HUN) ihre Teilnahme kurzfristig absagte, stand schon vor dem Startschuss fest, dass die WM-Vierte von 2019 im Halbfinale dieser Spiele stehen wird. Ohne Druck schwamm Hentke dann in 2:09,98 Minuten erst einmal auf Platz elf. Vorlaufschnellste war Zhang Yufei (CHN) in 2:07,50.

„Ich wollte im Vorlauf jetzt natürlich nicht 100 Prozent schwimmen. Es hat sich bis 150 Meter auch ganz gut angefühlt. Die letzte Bahn wurde dann ein bisschen schwer. Es war jetzt auch nach zwei Jahren das erste richtige Rennen, vielleicht brauche ich da einfach ein bisschen, um wieder reinzukommen“, sagte die 32-Jährige danach. Als komisch habe sie die Konstellation des vorab feststehenden Weiterkommens jedenfalls nicht empfunden:

„Man will ja für sich ein gutes Rennen machen und nicht 2:20 schwimmen, das macht dann auch was mit dem Kopf. Deswegen haben alle versucht, ein anständiges Rennen zu machen. Das wird morgen auf jeden Fall ein harter Kampf. Wir sind so zwölf Leute, die das gleiche Leistungsniveau haben. Das wird spannend.“

Marco Koch verpasst Halbfinale

Alle Spannung raus ist leider schon bei Marco Koch. Über 200m Brust belegte der frühere Welt- und Europameister in 2:10,18 Minuten nur Rang 20. Zum Halbfinale fehlten damit 23 Hundertstel.

„Das hat sich nicht abgezeichnet, die Vorbereitung lief eigentlich super. Bis heute beim Einschwimmen hätte ich gedacht, dass es so schnell werden kann wie noch nie“, sagte der 31-Jährige von der SG Frankfurt anschließend.

Mit seinem Heimtrainer Dirk Lange steht da nun wohl eine ausgiebige Analyse an. „Ich war super drauf. In dem Moment, wo ich reingesprungen bin, war ich irgendwie, keine Ahnung, müde. Es ging im Wasser nicht so richtig schnell, aber ich weiß nicht, woran es liegt. Ich bin im Januar schon 2:09 geschwommen, wo ich klinisch tot vom Training war, und da war ich viel, viel langsamer in allen Sachen, die ich gemacht habe, als jetzt.“ Bei der WM 2019 war Koch in 2:07,60 noch Fünfter geworden. Vorlaufschnellster in Tokio war am Dienstagabend Isaac Stubblety-Cook (AUS) in 2:07,37.

Enttäuscht klang auch Damian Wierling nach seinen 100m Freistil. Mit 48,83 Sekunden hatte es für den Sprinter von der SG Essen nur zu Rang 26 gereicht. Vorlaufschnellster war Thomas Ceccon (ITA) in 47,71. „Das ist viel, viel schlechter, als ich erwartet hatte“, meinte Wierling. Der letzte Platz im Halbfinale ging mit 48,44 weg. Eine Zeit, die Wierling nach der Olympiaqualifikation im April (48,48) zuzutrauen war.

Auch Staffel sichert sich Finaleinzug

Einen Finalplatz erkämpft hat sich dagegen die DSV-Staffel über 4x200m Freistil, mit 7:06,76 Minuten wurde Rang sieben erreicht. Und auch die Einzelzeiten von Lukas Märtens (1:47,27), Poul Zellmann (1:45,80), Henning Mühlleitner (1:48,11) und Jacob Heidtmann (1:45,58) können sich wirklich sehen lassen. „Wir haben gezeigt, dass man mit uns rechnen darf im Finale“, sagte Mühlleitner. Womöglich auch ein Hinweis an die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten, doch bitte nicht wieder komplett auf eine Liveübertragung auf all ihren Kanälen zu verzichten.

>> Alle Olympiaergebnisse im Überblick

 

Name Strecke Zeit Platz
Florian Wellbrock 800m Freistil 7:41,77 (DR) 2
Franziska Hentke 200m Schmetterling 2:09,98 11
Damian Wierling 100m Freistil 48,83 26
Marco Koch 200m Brust 2:10,18 20
Lukas Märtens/Poul Zellmann/Henning Mühlleitner/Jacob Heidtmann 4x200m Freistil 7:06,76 7