Seit zwei Wochen in der Blase – Zwischenstand für die deutschen Athlet*innen bei der ISL

31.10.2020, 21:12Uhr

Vorrunden Halbzeit bei der ISL - Zwischenstand deutsche Athlet*innen© Jo Kleindl

Noch fünf Matches bis zum Halbfinale

Das fünfte Match von insgesamt zehn ist geschwommen, diesen Samstag war Vorrunden-Halbzeit bei der International Swimming League (ISL) in Budapest. Seit dem 16. Oktober 2020 tummelt sich eine Auswahl der weltbesten Schwimmer*innen in der ungarischen Hauptstadt, um die zweite ISL-Saison auszutragen. Auch acht deutsche Athlet*innen haben sich trotz Abraten des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) auf den Weg gemacht, um sich mit den Besten der Welt zu messen. Marco Koch, Philip Heintz, Marius Kusch und Christian Diener treten erneut an, während Jacob Heidtmann, Damian Wierling, Kathrin Demler und Ramon Klenz ihr ISL-Debüt gaben.

Die Teilnahme der Schwimmer*innen an der diesjährigen ISL im Hochrisikogebiet Budapest war medial viel diskutiert worden. Ihre Teilnahme begründen die deutschen Athlet*innen mit der vollständigen Isolierung in einer „Blase“, innerhalb derer regelmäßig Covid-19-Tests durchgeführt werden. „Die Gefahr, dass ich mich zu Hause beim Einkaufen anstecke, ist glaube ich höher“, so Marco Koch im „Berliner Kurier“. Die ISL hatte im Vorfeld der Veranstaltung ein umfassendes Hygienekonzept vorgestellt, um den Wettkampf durchführen zu können.

Hier die ISL-Regeln im Schnelldurchlauf. Insgesamt treten zehn Teams gegeneinander an, pro Match werden 17 Einzelstrecken sowie die 4x100m Lagen Mixed Staffel und die 4x100m Freistil Staffel ausgetragen. Pro Team gehen bei jedem Rennen zwei Athlet*innen an den Start und sammeln Punkte für ihre jeweilige Mannschaft, in den Staffeln gibt es die doppelten Punkte. Die Platzierten bekommen am Ende jedes Rennens Punkte für ihr Team gutgeschrieben, beginnend bei neun Punkten für den Sieger. Highlight eines jeden Matches sind die sogenannten Skins: Hier treten die Athlet*innen mehrere Male gegeneinander an und die hintere Hälfte des Feldes scheidet aus, bis nur noch zwei übrig bleiben. Die Besonderheit hier: Die geschwommene Lage wird vom Lagen-Staffel-Sieger des Vortages bestimmt. Pro gewonnenem Match erhalten die Teams am Ende des Punkte, die acht Teams mit den meisten Punkten ziehen am Ende der zehn Vorrundenmatches ins Halbfinale ein.

 

Die deutschen Athlet*innen in Topform

Für die deutschen Athlet*innen läuft es alles andere als schlecht in Ungarn bislang. Vor allem die schon ISL-erprobten Marco Koch und Christian Diener mischen kräftig vorn mit und sammeln Punkte für ihre Teams New York Breakers und London Roar.

Marco Koch legte direkt im ersten Match vor und schlug auf seiner Paradestrecke 200m Brust in 2:02,12 Minuten an – und konnte 19 Punkte für sein Team „New York Breakers“ holen. Hier profitierte der 30-Jährige von der neu eingeführten Regel der „Jackpot-Times“: Besonders schnelle Athlet*innen können die Punkte der langsameren Schwimmer*innen stehlen, wenn sie deutlich vor diesen anschlagen. Dass Koch so richtig gut drauf ist, hat er im vierten Match dann erneut beweisen können. Nicht nur konnte er auf 100m Brust in 57,26 Sekunden fast seinen eigenen deutschen Rekord brechen, er kratzte über die 200m Brust sogar am Weltrekord. In 2:00,81 Minuten näherte sich der Hesse bis auf 65 Hundertstel an den Weltrekord des Russen Kirill Prigoda an. Durch die neue Regel konnte Koch hier gleich sieben langsameren Schwimmern die Punkte stehlen und sammelte so 30 Punkte für die New York Breakers – so viel wie noch kein anderer Einzelschwimmer vorher.

Teamkollege Damian Wierling sammelte seine ersten ISL-Erfahrungen in den 4x100m Freistil Staffeln im ersten und vierten Match. Beide kämpfen auch am Sonntag (18:00 Uhr) in Match sechs wieder um Punkte, die die Breakers als derzeit Siebte in der Teamwertung dringend für den Halbfinaleinzug brauchen.

Hinter den New York Breakers auf Rang neun liegt aktuell das Team der Aqua Centurions. Als einziger Deutscher startet hier Olympiasechster Philip Heintz, der in Match zwei gleich mal an seinem deutschen Rekord über 200m Lagen wackelte. Mit einer Zeit 1:52,58 Minuten lag er knapp sechs Zehntel darüber (1:51,92), schlug allerdings trotzdem als Erster an und sammelte 12 Punkte für sein Team. Einen dritten Platz über 100m Lagen schob der 29-Jährige in 53,01 Sekunden gleich hinterher.

Dass die Coronavirus-Pandemie seinen Leistungen nichts anzuhaben scheint, zeigt Christian Diener im Team London Roar. In seiner Paradedisziplin Rücken stellte der 27-Jährige in Budapest sogar einen deutschen Kurzbahn-Rekord über 50m auf (22,76 Sekunden) und holte im K.o.-Wettbewerb (Skins) auf der gleichen Strecke den Sieg für seine Löwen. Mit diesen Leistungen mauserte er sich zwischenzeitlich zum besten Schwimmer der ISL 2020. Auch Teamkollege Marius Kusch hat sich in den letzten Tagen mehrmalig gegen die internationale Konkurrenz durchgesetzt und überzeugt auf seiner stärksten Lage: Schmetterling. Hier erschwamm sich der Kurzbahneuropameister zuletzt einen zweiten Platz mit starken 49,67 Sekunden. Auch in den Lagen-Staffeln ist er an der Seite von Teamkollege Adam Peaty immer ein Ass im Ärmel der Londoner.

Für Kuschs Mitbewohner aus San Diego, den Hamburger Jacob Heidtmann, ist dies die erste ISL-Saison. Mit seinem Team LA Current gab der Lagen- und Freistilspezialist in Match eins sein Debüt, über 200m Rücken (1:56,19) sowie 400m Freistil, wo er als Vierter anschlug (3:41,48). Über die gleichen Strecken schickte ihn sein Team in Match drei erneut an den Start, hier konnte er den siebten und sechsten Platz erreichen. Die beste Platzierung bisher konnte der 25-Jährige auf seiner Paradestrecke 400m Lagen abräumen – den dritten Platz in einer Zeit von 4:05,67. Damit steuerte er wertvolle Punkte zur aktuellen Spitzenposition seines Teams bei.

Als Jüngster in der deutschen Runde hat Ramon Klenz dann im vierten ISL-Match sein Debüt gegeben. Im Team Iron der ungarischen Schwimmerin Katinka Hosszu trat der 22-Jährige über die Strecken 200m Schmetterling (1:53,09) sowie 200m Freistil (1:46,24) an und beendete ersteres als Zweitplatzierter sowie beide Rennen mit persönlicher Bestzeit.

Als einzige deutsche Athletin ist Kathrin Demler bei der ISL dabei, sie startet für die DC Tridents. Bislang ist ein vierter Platz über 400m Freistil aus Match fünf ihr bestes Einzelergebnis.

Tabelle ISL nach Match 5 von 10

Platz Team Punkte aus gewonnenen Matches
1 LA Current 9
2 Cali Condors 8
2 London Roar 8
4 Iron 6
5 Tokyo Frog Kings 5
6 DC Trident 4
7 Energy Standard 3
7 New York Breakers 3
9 Aqua Centurions 2
9 Toronto Titans 2